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Drachenfest in Hamamatsu

Obwohl Mamoru aus Hamamatsu stammt und wir mindestens einmal im Jahr dort sind war mir lange Zeit das Drachenfest nicht richtig bewusst.

Erst durch einen anderen Deutschen, der bei uns in der Nähe wohnt und zwei Töchter hat, wurde ich richtig darauf aufmerksam. Trotzdem fuhr ich nicht gleich beim nächsten Mal hin, sondern wartete zum Glück bis meine Eltern uns in der Golden Week besuchen kamen.
Ich dachte mir nämlich, dass ihnen das Spaß machen könnte.. Mein Vater hatte früher selbstgebaute Lenkdrachen und ist oft mit mir Drachensteigen gefahren.

Nun denn… ich wusste, dass es voll werden würde.. Mein Mann prophezeite mir, dass alle Hotels ausgebucht sein würden. Trotzdem bekam ich noch zwei Schuhkarton-große Zimmer, in denen meine Eltern, Chibi Mamo-chan, und ich eine Nacht verbringen würden. Mamoru musste am zweiten Tag leider arbeiten und daher schon am Abend des ersten Tages zurück fahren..

Die Shinkansenfahrt und unsere restlichen Aktivitäten interessieren hier denke ich nicht so sehr, weshalb ich mich auf das Fest konzentrieren werde.

Das Hamamatsu Matsuri findet vom 3. Mai bis zum 5. Mai statt und gliedert sich in zwei Teile: das Drachenfest am Strand und die großen Wagen (yatai) in der Innenstadt.

Das Drachenfest

Die Drachen sind riesig und werden nur aus natürlichen Materialien gefertigt: Bambus, Japanpapier, und Hanfseile.
Jede Familie eines Viertels, die am Fest teilnehmen möchte, sponsert so einen Drachen. Einer kostet in der Herstellung etwa 800€ (2019). Mit den ganzen Feierlichkeiten drum herum wird man gut und gerne 2500€ los.
Bei dem Fest treten unterschiedliche Viertel von Hamamatsu gegeneinander an. Die Teilnehmer der einzelnen Viertel bauen die Drachen zusammen, lassen sie zusammen steigen und betrinken sich zusammen. Sollte der Name eines Jungen auf einem Drachen stehen, so hofft man, wenn er lange am Himmel bleibt, dass der Junge sehr stark wird. Dieser Glaube geht noch auf die Zeiten zurück, als Kinder oft jung gestorben sind.
Jede Gemeinschaft darf nacheinander so viele Drachen steigen lassen wie sie gebaut haben.

Kommen wir aber mal dazu weshalb ich so seltsame Andeutungen mache wie „lange in der Luft bleiben“ oder „mehrere Drachen nacheinander steigen lassen“.

Das ganze ist nämlich eigentlich ein Kampf… Früher oder später verheddern sich die Leinen der riesigen Drachen gewollt oder ungewollt ineinander und dann geht das Spektakel los! Man sieht eine Menschentraube und daraus hervorragen einige weiß-behandschuhte Hände, die mit einem Ruck immer wieder an den Seilen ihrer Drachen reißen.
Hier zeigt sich wer die besseren Materialien und die bessere Seil-Dreh-Technik hatte, denn die Hanfseile reiben sich so lange aneinander bis eins reißt. Der stärkere Drache gewinnt! Mein Mann nannte es tanzen, wir würden es Kampf nennen, auf jeden Fall stand, wenn so etwas passierte, immer die Polizei einsatzbereit daneben.
Übrigens erlebten wir nicht nur einige Starts dieser Ungetüme auf engstem Raum mit, es gingen auch einige nicht weit von uns entfernt nieder.

Dem Lütten gefielen übrigens die „Trompeten“ der Kinder besonders gut. Die bestaunte er unsere gesamte Zeit in Hamamatsu.

Der Festplatz

Zum Austragungsort bringt einen am besten übrigens ein Shuttlebus vom Bahnhof aus, denn die Region ist weiträumig für Autos gesperrt. Der Bus kostet 280¥ und braucht etwa 10 Minuten. Die Tickets gibt es im 2. Stock des Act Towers (riesiger Turm am Bahnhof). Einfach den Menschenmassen hinterher!

Die Busse halten dann am Drachenmuseum neben der holländischen Windmühle. Neben einem künstlichen Hügel auf einer Wiese wurde genau als wir dort waren von der offiziellen Drachenfest-Organization der Reiwa-Drache steigen gelassen.

Vor dem Museum gibt es einige Stände mit Souvenirs und eine kleine Bühne für Tanzaufführungen.

Läuft man den Massen weiter hinterher, so kommt man an den eigentlichen Festplatz mit den Drachen“führern“ und den üblichen Fressbuden.
Seit sie die Tsunami-Schutzwälle überall entlang der Küste verstärkt haben, kann man sich das Spektakel auch von weiter oben ansehen, denn man kann nun auf dem Wall vom Festplatz zu den Dünen laufen. Einem von vier Plätzen in Japan, an dem es große Sanddünen gibt (Tottori, Sarugamori in Aomori darf nicht betreten werden, Fukiagehama in Kagoshima und Hamamatsu).

Die Busse fahren wieder hinter dem Museum ab und während man in der Schlange wartet kann man Tickets für sie kaufen, sollte man das nicht schon auf der Hinfahrt erledigt haben.

Das Drachenfest am Strand bekommt von uns allen einen dicken Daumen nach oben.

Die Festwagen

Von der Veranstaltung mit den yatai haben wir leider nicht ganz so viel mitbekommen, wir waren zu dem Zeitpunkt einfach schon bettreif. Der Lütte so sehr, dass er später im Hotelzimmer von sich aus zu mir sagte ich solle mich hinlegen und endlich das Licht ausmachen weil es Schlafenszeit sei. Das kommt normalerweise nur andersherum vor!
Die yatai sind große hölzerne Festwagen, die abends schön beleuchtet und mit Musik durch die Straßen gezogen werden. In Kawagoe (das auch größere yatai hat), kämpfen sie an Kreuzungen miteinander. Ob das in Hamamatsu auch so ist weiß ich nicht.
Aber selbst wenn nicht, es ist eine unglaubliche Atmosphäre um den Bahnhof herum mit all den Gruppen, der Musik, den „Trompeten“, den Wagen und den Buden abends!
Das geht dann gegen 18:30 Uhr los und soll bis abends um 21 Uhr andauern.

Übrigens finden auch tagsüber um den Bahnhof herum Straßenfeste statt. Eins findet man unten vor dem Act Tower, dort gibt es eine Bühne für Musikgruppen aller Art. Ein Stück weiter „rechts“ findet sich zum einen der Abstellplatz vieler yatai, wenn man sie bei Licht aus der Nähe sehen will, und verschiedene Stände, die unüblicherweise aus Wohnmobilen bestehen.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen, wenn auch spärlich bebilderten, Einblick in das Hamamatsu Matsuri geben!

Quick Tipps:

Hamamatsu Matsuri 3. – 5. Mai
Drachen 10 bis 15 Uhr
Yatai 18:30 bis 21 Uhr
Shuttlebus: 280 Yen Erwachsener, 140 Yen Kinder vom Bahnhof Hamamatsu oder Iida Park. Fährt von dort zwischen 9 und 14 Uhr.
Zurück fahren die Busse bis 16 Uhr.
Lokale Spezialität: Unagi (süß gebratener Aal auf Reis), Hamamatsu Gyoza
Mitbringsel: Unagipie (Gebäck), Jiichiro (Baumkuchen)

Ich beantworte gerne alle Fragen rund um Hamamatsu. Ich bin bald Hamamatsu Spezialist so viel wie wir dort immer machen 😂

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