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Geburt und Krankenhausaufenthalt

Ok, das ist lange her, aber ich probiere es mal…

Natürlich ist JEDES Krankenhaus und JEDE Klinik anders.
Ich versuche es ein wenig pauschal zu halten, aber sicher gibt es viele, die die Geburt und den Aufenthalt anders erlebt haben. Ihr könnt eure eigenen Erfahrungen gerne in den Kommentaren teilen 🙂

Ich habe in einem großen Krankenhaus (General Hospital – 総合病院) in Tokyo entbunden, auf einer Station wo niemand Englisch sprach – inklusive Arzt.
Es gibt viele Kliniken in Tokyo, die Personal haben das Englisch spricht.
Eine Krankenhausliste gibt es hier (auswärtiger Link).

Ich habe Chibi Mamo-chan natürlich zur Welt gebracht, allerdings wurde die Geburt, da die 10 Tage-Marke erreicht wurde, eingeleitet.

Die Wehen

Durch das Einleiten hatte ich keine normalen Wehen. Bis zur eigentlichen Geburt ging alles sehr schnell und ich war aufgrund der Schmerzen mehr bewusstlos als wach. Es wird oft berichtet, dass die Schmerzen am Einleitungstropf um einiges stärker sind. Ich kann es nicht sagen, da ich keinen Vergleich habe, aber die Japanerinnen, die nach mir kamen, haben nicht geschrien, im Gegensatz zu mir..

Wie dem auch sei.

In japanischen Krankenhäusern gibt es zwei unterschiedliche Zimmer: das Vorbereitungszimmer 陣痛室 und den Kreißsaal 分娩室.
Im Vorbereitungszimmer verbringt man die Zeit bis man für die eigentliche Geburt bereit ist, also bis die Presswehen anfangen.
Hier prüft eine Hebamme den Wehenschreiber, Lage des Kindes und wie weit man schon ist.
Oft gibt es hier eine Toilette im Zimmer da man mehrere Stunden in ihm verbringt. Während der Wehen auf’s Klo müssen ist scheiße! Muss aber sein…
Während der ganzen Zeit durfte in meinem Fall immer nur eine Begleitperson in meinem Zimmer sein: mein Mann oder meine Schwester, was mich ziemlich annervte, weil ich beide bei mir haben wollte!
Draußen vor der Tür gab es verschiedene Hocker, Sessel und auch einen Gymnastikball. Brauchte ich nicht da im Delirium.
Bei Beginn der Presswehen muss man zu Fuß in den Kreißsaal. Probiert mal während der Presswehen zu laufen…

Ein anderes Krankenhaus gegen das ich mich aus verschiedenen Gründen entschieden habe, bietet Wehen und Entbindung in einem Zimmer an, das sieht dann so aus:


Foto via Krankenhaus Webseite

Die Geburt

In Kliniken gibt es nur die Option Stuhl. Der ist anders als in Deutschland, hat Griffe zum Festhalten und Flächen zum Abstellen der Füße (senkrecht), so dass man richtig dagegen pressen kann. Angenehm!
Andere Optionen müssen vorher gecheckt werden. Geburtshäuser sind in Japan, genau wie in Deutschland, offener für Alternativen.

Während eines Kaiserschnitts darf in Japan der Mann nicht bei seiner Frau bleiben. Auch bei einer natürlichen Geburt gibt es noch altbackene Krankenhäuser die den Mann nicht in den Kreißsaal lassen.
Normalerweise muss der Mann beim Kopf seiner Frau stehenbleiben. Es gibt hier aber Ausnahmen.
Wie es bei gleichgeschlechtlichen Paaren gehandhabt wird kann ich nicht sagen. Meine Schwester durfte nicht in den Kreißsaal, aber ins Nebenzimmer das zum Kreißsaal hin offen war.

In Krankenhäusern leitet oft die Chef-Hebamme die Geburt und der Arzt greift nur ein wenn es notwendig ist.

Was für Optionen man während der Geburt und direkt danach hat, hängt stark vom jeweiligen Krankenhaus ab.
Sofortiges skin to skin, also Baby auf den Bauch, war bei mir kein Problem. Erst danach wurde er gewaschen und gewogen, mein Mann durfte ihn nehmen (noch vor dem Waschen) und meine Schwester hat ihn sich auch geschnappt.

Die Frauen bleiben bis ca. zwei Stunden nach der Geburt im Kreißsaal. In dieser Zeit wird der eventuelle Dammschnitt genäht, sich erholt, und ggf. darf das Baby die ganze Zeit auf den Bauch und stillen. Oft wird es aber schon in dieser Zeit für die U0 weggebracht.

Nach den zwei Stunden geht es im Rollstuhl auf’s Zimmer. Meist dürfen die Babys im Beistellbett mit. Krankenhäuser in denen sie im Babyzimmer übernachten müssen sind inzwischen ausgesprochen selten.

Krankenhausleben

In Japan bleibt man nach der ersten Geburt normalerweise sechs Tage im Krankenhaus, ab dem zweiten Kind fünf Tage. Die Zeiten können je nach Klinik variieren.

Zimmer gibt es ganz unterschiedliche und je nachdem ist auch das Leben im Krankenhaus verschieden.

Ich war im 6-Bett-Zimmer, Toiletten, Waschbecken und Duschen waren auf dem Flur.
In Einzelzimmern gibt es oft eine eigene Toilette. In sogenannten Familienzimmern dürfen der Partner und andere Kinder zusammen mit der Mutter übernachten.
Freunde und Großeltern, Tanten, Onkel, etc. dürfen nicht ins Mehrbettzimmer. Besuche finden im Besuchsraum statt. In einigen Krankenhäusern darf der Besuch nicht mit dem Baby in Kontakt kommen. Ausnahme sind da nur Einzelzimmer, denn das Baby darf nicht ins Besuchszimmer.

Die Mutter wird täglich einmal vom Arzt untersucht und die Hebammen der Station stehen einem Tag und Nacht zur Verfügung. Man hat, wenn man etwas braucht, eine Klingel am Bett.
Die Kinder können jederzeit auf die Babystation gebracht werden wenn Mutter beispielsweise duschen oder auf’s Klo möchte.

Der Kliniktag beginnt früh, spätestens ab sieben Uhr.
Natürlich endet er somit auch früh..
Es gibt drei Mahlzeiten und um Getränke für zwischendurch muss man sich selbst kümmern. Zum Essen gibt es nur ca. 250ml.

Fast alle Tage sind strikt durchgeplant mit irgendwelchen Kursen wie Pulvermilch anrühren, Babybaden, oder mit Untersuchungen jeglicher Art. Ich hatte das Gefühl, dass mir für echte Entspannung kaum Zeit blieb.
Zwischendurch schauen die Hebammen vorbei und helfen einem bei Stillproblemen.
Krankenhäuser haben natürlich auch einen Fernseher.

Von der Klinik bekommt man ein Willkommenspaket. Darin befinden sich Windeln, Probepackungen von Milchpulver, Nippelcreme, andere Pflegecremes, Schlüpper die man unten öffnen kann, Werbebroschüren, Infobroschüren uns sicher noch einiges was ich vergessen habe..
Gegen Ende des Aufenthalts bekommt man ein “Festessen”. Ich dachte meins wäre genial gewesen, aber das von einer Freundin toppte es sogar noch. Anstatt des Tabletts auf dem Bett bekam ich einen Tisch und Stuhl mit weißer Tischdecke, massig Besteck (Salatgabel, normale Gabel, Löffel, Dessertlöffel und ca. drei verschiedene Messer) und so viele Teller, dass sie fast nicht auf den Tisch passten.
Das Essen ist in jeder Klinik verschieden, aber was ich bisher mitbekommen habe gibt es das in jedem Krankenhaus.

Und dann ist es soweit… Man wird rausgeschm.. äh, entlassen. Nein, wirklich, man hat nicht das Gefühl dass man gegangen wird 😉


Innerhalb von zwei Wochen muss die Geburt beim japanischen Rathaus angemeldet werden. Auch wenn das Kind zwei ausländische Eltern hat!


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