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Das Neujahr bei den Schwiegereltern

Wir verbringen die freien Tage zu Neujahr normalerweise entweder in Deutschland oder bei meinen Schwiegereltern in Hamamatsu.

Letztes Jahr war Hamburg dran, deshalb blieben wir dieses Jahr in Japan und fuhren mit dem Shinkansen nach „matsu“, wie der Lütte Hamamatsu nennt.

Lustigerweise starteten die Neujahrsferien in 2018 an einem Freitag, den ich jedoch hauptsächlich arbeitend verbrachte. Deshalb war Chibi Mamo-chan auch noch im Kindergarten. Am Samstag waren wir den Tag noch in Tokyo, aber Sonntag fuhren wir los – ich immer noch leicht angeschlagen von einer Erkältung, die mich in der Woche vorher erwischt hatte.
Der Lütte schlief die halbe Fahrt im Shinkansen, auf mir, weshalb ich zwar nicht wie geplant arbeiten konnte, aber immerhin niemanden bespaßen musste.

Berg Fuji

Den 31. verbrachten wir „relativ“ entspannt damit, dass wir nach einem neuen Kindersitz suchten. Im Endeffekt fanden wir keinen, aber nach ca. 40min Rumgetüftel saß unser alter dann doch fest im Auto und konnte benutzt werden.
Daher ging es Nachmittags nach Mikkabi zu einem Tempel, in dem mein Mann vor vielen vielen Jahren mal gearbeitet hat, um deren Garten noch einmal zu besuchen. Das erste Mal sah ich ihn glaube ich 2012. Viel verändert hat sich nicht.. Nur dass der Tempel „touristischer“ geworden ist, wie viele andere seit dem Naotora Dorama auch.

Garten vom Daifuku-ji

Am 31. gibt es übrigens bei meinen Schwiegereltern keine Soba, zumindest nicht wenn wir dort sind. Dieses Jahr gab es Sukiyaki. Dafür gibt aber selbstverständlich am 1.1. fast komplett selbstgemachte Osechi und der Lütte entdeckte seine Liebe zu Kuromame, die er von da an zu jedem Frühstück bekam.. Man lebt nur einmal und sind ja noch die Milchzähne, nicht wahr..? *hust* Den Rest des Tages verbrachten wir mit Hatsumode bei einem Hachiman Schrein (normalerweise gehen wir nicht in Hamamatsu zum Hatsumode), an dem wir anstehen mussten. Chibi Mamo-chan ertrug es unerwartet gelassen. Danach fuhren wir einkaufen, zu meinem Leidwesen waren alle fukubukuro von Kaldi mit Lebensmitteln schon weg. Die interessante Klamottentüte eines anderen Geschäfts gab es nicht in meiner Größe. Pech… Hachiman Schrein in Hamamatsu

Am nächsten Tag fuhren wir zu einem Tempel, der einen neuen Garten hat. Ich habe ihn tatsächlich vorher noch auf keiner Gartenseite und keinem Social Media Kanal gesehen!
Dieser Tempel hat so einige Neuerungen eingeführt. So gibt es Gräber, die sehr an günstige Gräber in Deutschland erinnern – schwarze Mamorplatten auf dem Boden, in die dann der Name graviert wird. Ich denke, sollten die Steinplatten günstiger als traditionelle Gräber sein, wird diese Art auch in Japan die Zukunft sein.
Der Garten ist übrigens von „Kobori Enshu“ der Heisei Periode: Kitayama aus Kyoto.

Neuer Garten in HamamatsuNeuer Garten in HamamatsuNeuer Garten in Hamamatsu

Nach diesem Tempelbesuch fuhren wir zu einem öffentlichen Park mit Bibliothek, die einen kleinen Garten vom „Kobori Enshu“ der Showa Zeit, Nakane Kinsaku hat, der übrigens auch für den Trockenlandschaftsgarten des berühmten Adachi Kunstmuseums in Shimane verantwortlich ist.

Showa Garten in Hamamatsu

An unserem letzten Tag fuhren wir zum Ise Schrein. Dazu gibt es einen gesonderten Bericht hier.

Der 4.1. schließlich war für unsere Heimreise reserviert.
Für viele gingen die Neujahrsferien entweder nur bis zum 3. und sie mussten am 4. wieder arbeiten, oder sie hatten bis zum 6. frei (wie wir auch). Am 4. zu fahren erschien uns also als eine gute Idee um im Shinkansen Sitzplätze zu bekommen.
Ich hatte ein glückliches Händchen und erwischte zwei Sitze einer Dreierreihe wo der nicht zu uns gehörende Fahrgast an der nächsten Haltestelle (wir fuhren Kodama) ausstieg. Somit hatte der Lütte genug Platz, was auch oft nötig ist, da er extrem zappelt. Das, und dass er anfing den gesamten Wagen mit seinen gebrüllten Ansichten über vorbeifahrende Shinkansen etc. zu unterhalten, führte dann dazu, dass er früher als geplant YouTube Kids in die Hände bekam. Ich war einfach schon zu kaputt von den vielen Tagen mit aufgedrehtem Kind und vollem Tagesprogramm.
Ich verbrachte die restliche Bahnfahrt mit Blogschreiben. Eigentlich wollte ich arbeiten, aber dafür war ich auch schon zu fertig. Die Arbeit schaffte ich dann erst am 6.1. abends..

Wenn ich etwas über mich in dieser Zeit gelernt habe, dann dass ich es nicht aushalte neun Tage ohne Pause mit meinem Zweijährigen zu verbringen. Am 5.1. dachte ich, ich drehe durch.
Wie ich den 6.1. überstanden habe weiß ich nicht, und ich war erleichtert als ich ihn am 7.1. wieder in den Kindergarten bringen konnte.
So lieb ich ihn auch habe, in der momentanen Phase macht er mich wahnsinnig.
Zwar hatte ich auch schon früher oftmals das Gefühl am Ende zu sein, aber das war irgendwie ganz anders. Auch wenn ich fertig war verlor ich nie die Geduld mit Chibi Mamo-chan. Inzwischen wird diese Geduld täglich auf eine sehr sehr harte Probe gestellt.
Ich mache drei Kreuze wenn wir im Mai die Golden Week haben und ich dank meiner Eltern doch ein wenig wohlverdiente Pause kriege.
Bis dahin tröste ich mich an den unglaublich süßen Dingen, die er fabriziert wie beispielsweise loszulaufen um ein Tuch zu holen, mit dem er mir die Hand abtupfte nachdem er gesehen hat, dass ich blutige Risse in der Haut habe.
Er ist ein wirklich ganz schnuffiger und zuvorkommender kleiner Kerl wenn er will..

2 thoughts on “Das Neujahr bei den Schwiegereltern

  1. Sali, Anika.
    Das neue Jahr hat uns inzwischen fast einen Monat in Händen; die Zeit schlingert nur so den reißenden Fluß hinunter.
    Man/frau merkt beim Essen immer wieder schnell, daß Japan jeweils nur eine „Armlänge“ vom Meer entfernt ist; was blieb den Menschen auch anderes übrig, als die „Felder“ auf das Wasser auszudehnen. Vor Ort wäre ich wohl der ausgesprochene Nudelsuppen-Typ. 🙂

    Die erwähnten handlichen Grabplatten dürften dann vermutlich auch weniger Platz in Anspruch nehmen. Von daher sicher eine Option. Hierzulande werden ja die Urnenwände beliebt, weil sich der Aufwand in allen Aspekten erheblich reduziert (zur Unfreude der Friedhofsgärtner).

    Für Reisen mit Kind(ern) braucht man/frau immer ein Ersatz-Nervenkostüm im Handgepäck. Von daher hattest Du auf dem Hinweg das Glück von etwas Ruhe.
    Doch fein, daß Dein Sohnemann sich um Dich kümmert (Hände); von daher wird Ihm irgendwann Aufgehen, daß er seiner Mutter auch in mehr eine Hilfe sein kann.
    „Mother’s love is your seal for life. Take care & never break“
    (Samaire O’Boinor)

    bonté

    1. Hallo Robert,
      Das Meer hat aber auch wirklich Leckeres zu bieten! Fisch mag ich persönlich ja auch lieber in Fischstäbchenform (ohne Gräten), aber so andere Sachen.. ich bin ein riesiger Nori (Algen) Fan und esse sie auch sehr gerne als Snack zwischendurch. Und Mozuku ist einfach nur göttlich! Wenn man nicht das fertig abgepackte aus dem Supermarkt kauft und einen guten Essig nimmt.
      Dann gibt es von Okinawa noch Umi no budo, die auch unglaublich lecker sind.
      Doch.. das Meer hat schon einiges zu bieten! Solange man mir mit Schalentieren vom Leib bleibt! (Für Garnelen mache ich hin und wieder eine Ausnahme.)

      Ich wusste gar nicht, dass Deutschland schon wieder einen Schritt weiter in Richtung billig ist. Urnenwände… Warum entsorgen wir unsere Verstorbenen nicht einfach mit dem Hausmüll und wer mag stellt sich zu Hause einen kleinen Altar auf? Das wäre doch das Günstigste…
      Ok, wenn ich es mir so überlege möchte ich ungern im Hausmüll landen, aber irgendwo in nem Wald – egal in welchem Land – wäre schon ok.
      Ich persönlich kann den Anblick von Urnen nicht ertragen.

      Ich glaube, der Kindergarten macht einen ganz ganz tollen Job die positiven Charaktereigenschaften eines jeden Kindes zu fördern.
      Natürlich gibt es auch mal Streit und es wird gehauen (auch die Mama), aber das ist meistens zum Testen wie weit er / andere gehen können. Und um Aufmerksamkeit zu erlangen >.>

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