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Blüten des Herbstes

In letzter Zeit geht es hier, für meinen Geschmack jedenfalls, viel zu selten um Natur.

Wir sind hier jetzt im frühen Herbst, also der perfekte Zeitpunkt um das zu ändern!

Bevor wir eine unglaublich schöne Herbstfärbung Ende November bekommen, wartet der frühe Herbst mit besonderen Blütenpflanzen auf.
Diese Pflanzen dienen den Japanern als Zeichen des nahenden Herbstes.
Wollt ihr gegenüber älteren Japanern etwas angeben, lasst einfach mal eine kleine Bemerkung bezüglich dieser Pflanzen und dem nahenden Herbst fallen!

Ich möchte hier kurz über drei Pflanzen schreiben.
Die erste wird auf Deutsch als „Nirvana-Blümchen“ beschrieben. Was für ein interessanter Name..
Auf Japanisch heisst sie „Higanbana“ (彼岸花 / ヒガンバナ oder auch マンジュシャゲ – Manjushage).
Ihr botanischer Name ist Lycoris radiata.
Die Pflanze erscheint nur für eine kurze Zeit im Jahr, zur Tag- und Nachtgleiche im Herbst. Auf Japanisch ist das 秋分の日 und wie 春分の日, die Tag- und Nachtgleiche im Frühling, ein gesetzlicher Feiertag. Dieses Jahr fällt ersterer auf den 23. September und beschert uns damit die „Silver Week“, eine Woche mit 3 aufeinanderfolgenden Feiertagen im Herbst.
Dann schieben sich recht unbemerkt ihre Stängel aus der Erde, bis sich plötzlich, von heute auf morgen, ein rotes Flammenmeer über Deiche, Wiesen, Gärten ergießt.
Higanbana bietet ein unglaublich gutes Fotomotiv mit ihren filigranen Blüten.


Auch in anderen Farben, aber rot ist am schönsten…

Die zweite Pflanze ist Hagi (萩 / ハギ ) zu Deutsch Hagi-Strauch oder Buschklee. Botanisch: Lespedeza bicolor var. japonica.
Seht euch mal das Kanji an!
Es wird aus „Blume“ und „Herbst“ zusammengesetzt. Hier haben wir also die Herbstblume aller Blumen im Herbst!
Lustig ist, dass ausgerechnet Hagi die Pflanze ist, die stark mit dem Higan-Fest verbunden ist.
Das Higan-Fest ist eine buddhistische Feierlichkeit, das zur Tag- und Nachtgleiche begangen wird. Ihr könnt mehr über dieses Fest in einem älteren Beitrag von mir lesen!

Ein „Hagi-Tunnel“. Hagi ist eine Kletterpflanze, die jedes Jahr zurückgeschnitten wird.

Die letzte Pflanze im Bunde passt eigentlich nicht ganz ins Bild. Obwohl sie früher oft zu finden war, haben Japaner sie inzwischen über. In ihrer Gartengestaltung möchten sie lockerere, westlich anmutende Pflanzen haben.
So stirbt die „goldene Duftblüte“, Osmanthus fragrans oder zu Japanisch Kinmokusei (金木犀 / キンモクセイ) in Japans Gärten langsam aus. Nur in Parks, auf Spielplätzen und in Tempeln trifft man sie noch häufig an.
Im Herbst setzt Kinmokusei unglaublich viele kleine orangene, stark duftende Blüten an.
Geht ein Japaner an so einem Baum vorbei, hört man nicht selten, dass es nach „Toilette“ riecht.
Erwartet jetzt aber bitte nicht, dass es nach Scheiße oder Urin stinkt. Es ist vergleichbar, wie wenn jemand in Deutschland bei starkem Zitrusduft meint, es würde nach Klo riechen.
Es gab beliebte Lufterfrischer für die Toilette mit Kinmokusei Duft in den 70er Jahren. Der Geruch von Kinmokusei ist so stark, dass er unangenehme Gerüche leicht überdeckt. Deshalb wird er noch heute gerne in Parks neben Toiletten gepflanzt.

Dies war ein kleiner Ausflug in die Japanische Botanik.
Wie ihr seht, falls ihr bis hierhin durchgehalten habt, in Japan hat man nicht einfach nur hübsche Blümchen zum Fotografieren, es steckt oft noch eine Geschichte hinter der Pflanze!

5 thoughts on “Blüten des Herbstes

    1. Gestern bin ich Richtung Hanno raus gefahren. Da liegt ja auch der eine Higanbana-Spot. Und ueberall auf den Postern konnte ich マンジュシャゲ lesen.
      Ich war echt baff! Bevor du es geschrieben hast, habe ich es wirklich nie gehoert!

  1. Hm… Ich habe ja auch frueher in Saitama gewohnt.. Allerdings Richtung Norden..
    Moeglich dass ein Kollege die Pflanze damals Manjushage nannte.. Da war mein Japanisch allerdings noch so schlecht, dass ich ihn erstens nicht verstand und mir das Gesagte nicht mal ansatzweise merken konnte ^^;;

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