Beikost in Japan

Leider wurde der ursprüngliche Beitrag über Beikost in Japan gelöscht und ich hatte keine Sicherheitskopie.
Ich hoffe dieser neue Beitrag reicht in der Qualität an den alten heran 😉

Jede Mutter, jeder Vater steht irgendwann vor der Frage wie der eigene Nachwuchs an Beikost heran geführt wird.

Heute möchte ich erzählen wie wir es gemacht haben, was für Kaufoptionen es für Beikost in Japan gibt und wie man sein Baby im Urlaub in Japan versorgen kann.

Der Japanische Weg

Als deutsche Mutter in Japan neigt man natürlich dazu sich auf deutschsprachigen Webseiten oder durch deutschsprachige Bücher zu informieren.

Allerdings sind das japanische und das traditionelle deutsche System total verschieden und es ist sehr schwer oder teuer das Deutsche umzusetzen.

Aus diesem Grund entschieden wir uns nach dem japanischen System zu gehen, meiner Meinung nach leider etwas zu stark…

Das japanische System geht extrem behutsam vor.

Zu Beginn reicht man stark verkochten Reis. Nach etwa einer Woche kann man damit beginnen auch Gemüse zu geben. Dabei gibt man beim ersten Mal einen Löffel, beim zweiten Mal zwei Löffel und beim dritten Mal drei Löffel um Allergien auszuschließen.

Es gibt viele Lebensmittel, die man erst ab einem bestimmten Alter geben soll, wie zum Beispiel bestimmte Fischsorten oder Allergene wie Buchweizen.

Honig sollte man außerdem NIE im ersten Lebensjahr (0-1) geben! Auch nicht in Deutschland.

Ich hätte gerne, soweit möglich, die traditionelle deutsche Variante mit der Japanischen verbunden. Leider war mein Mann so ängstlich, dass er es mir oft nicht gestattete gängige Lebensmittel wie Bananen ab einem jungen Alter zu geben.

Wir haben übrigens immer selbst gekocht. Zu Beginn natürlich ohne Salz und Gewürze, dafür haben wir dem Gemüse mit Dashi (Brühe) aus Konbu (Seetang) und getrockneten Thunfischspänen etwas Geschmack verliehen.

Mengen, die wir nicht brauchten, haben wir in Eiswürfelformen für später eingefroren.

Kurz bevor der Lütte ein Jahr alt wurde durfte der er dasselbe Essen wie ich essen, jedoch habe ich es nicht ganz so stark gewürzt wie üblich.

Auf Ausflügen nahm ich als Mittagessen aber oft fertiges Essen aus dem Geschäft mit und das möchte ich auch kurz vorstellen.

Fertigessen aus dem Geschäft

Während man in Deutschland unglaublich viele Breisorten gewohnt ist, ist die Auswahl an Beikost in Japan recht mager. Es gibt natürlich Okayu, den Reisbrei, aber dann wird es schon schwieriger, zumindest wenn man auf die Inhaltsstoffe guckt.

Beginnen tun die japanischen Gläschen und Tüten bei 5 Monaten, bis hin zu 1,4 Jahre.

Da mein Mann sehr strikt bei Lebensmitteln war, die der Lütte noch nie gegessen hat, war die Auswahl sehr schwer, denn oft war Gemüse wie Gobo (Wurzel der großen Klette) beigegeben, die wir zu Hause einfach nicht benutzten, oder aber es war Kristallzucker oder Salz beigegeben, etwas, auf das ich in den ersten Monaten verzichten wollte.
Reine Gemüse oder gar Obstgläschen sind selten.

Die Geschmackssorten sind oft Japanisch, selbst wenn ein “洋 – yō” für westlich davor steht.

Später, als Chibi Mamo-chan eigentlich schon alles essen durfte (obwohl mein Mann manchmal bei über einem Jahr noch meckerte), hätte es mit dem Fertigessen eigentlich leichter werden sollen, doch wird mit zunehmendem Alter das Angebot sehr eingeschränkt. Bei 1.4 Jahren gibt es gefühlt nur noch vier Sorten.

Der eine oder andere mag fragen, warum man in dem Alter überhaupt noch Babygerichte anbietet, aber das liegt an meinen Wochenendausflügen. Eigentlich habe ich über Mittag gerne etwas für ihn dabei, weil ich nicht in Restaurants gehe und ich selbst oftmals gar nichts esse. Der Lütte hat aber einen unglaublichen Hunger und ich bin morgens so schnell aus dem Haus, dass ich kein großes Bento vorbereiten mag.
Inzwischen beiße ich in den sauren Apfel und plane oftmals einen Besuch im Familienrestaurant ein, was ich aber eigentlich nicht toll finde, weil die Kindergerichte in Japan genauso Mist sind wie in Deutschland. So wird es dann ab und zu doch mal ein Essen aus dem Konbini mit Onigiri (Reisbällen) und Gemüsesticks..

Aber zurück zur Fertigkost:
Hier mal eine kleine (unvollständige) Auflistung der Produkte, die man so finden kann.
5 Monate – Okayu (Reisbrei), Kürbis und Sü&szlig,kartoffel, Apfelmus
7 Monate – Udon mit gekochtem Gemüse, Pfirsich-Apfel Püree
9 Monate – Sukiyaki, Lachs mit Spinat
12 Monate – Kartoffel-Thunfisch Gratin
1.4 Jahre – Japanisches Bento

Mit Kind im Urlaub in Japan

Nun stellt sich die Frage, wie man Beikost in Japan im Urlaub managed.
In normalen Hotels gibt es keine Möglichkeit zu kochen, man ist sich nicht sicher, ob der Nachwuchs das japanische Essen akzeptiert und man möchte ja eigentlich nicht für zwei Wochen Essen mitschleppen..

Das Beste, und vielleicht auch Günstigste, was man machen kann, ist ein Apartment mit Küche zu mieten.
In Japan gibt es alle gängigen Gemüse und Obstsorten, sowie Reis und Nudeln. Auch ungesüßte Haferflocken findet man inzwischen in jedem Supermarkt, ebenso wie ungesüßte Cornflakes.
Das einzige, das Mangelware ist, ist deutsches Brot. Es gibt einige Geschäfte, die welches verkaufen, aber diese sind über die ganze Stadt verteilt.

Selbstverständlich kann man es auch mit japanischem Fertigessen versuchen.
Das Alter, ab welchem die einzelnen Gerichte geeignet sind, steht in großen Zahlen auf der Verpackung und ist nicht misszuverstehen.
Es gibt Essen in Tüten, in Dosen und als “Bento” 弁当. In den Bento Packungen befinden sich zwei Töpfchen, eins mit Reis (mit Geschmack) und eins mit “Soße”.
Diese habe ich unterwegs normalerweise mitgenommen.

Übrigens wird fast allen japanischen Snacks Kristallzucker beigegeben. Eine Ausnahme sind:
Pigeon Baby Oyatsu Gemüse (nicht alle Sorten)

Achtet auf diese Kanji 砂糖 für Zucker.
Salz erkennt ihr durch dieses Kanji: 塩.
Auch die überall erhältlichen Fruchtquetschies sind mit Vorsicht zu genießen, da sie nicht aus 100% Frucht bestehen, obwohl es drauf steht. Eine Ausnahme bilden die Disney Quetschies der Marke Pigeon und MinuteMaid Quetschies für Erwachsene haben ebenfalls einen 100 % Fruchtanteil.
Ich importierte jedoch für meinen Lütten “Freche Freunde” aus Deutschland.

Im Restaurant

In Restaurants gibt es natürlich die Möglichkeit dem Nachwuchs etwas vom eigenen Teller abzugeben oder ein Kindermenü zu bestellen, falls vorhanden (üblich ist es in Japan nicht!).
Kindermenüs bestehen meist aus einer Frikadelle mit Soße, Pommes, einem Stückchen Brokkoli oder anderem Gemüse, Jelly und einem Saft.

Im Konbini

Im Konbini kaufe ich für meinen Lütten Reisbälle. Er isst sehr gerne die in Nori (getrocknete Algen) eingewickelten mit Lachs. Außerdem gibt es zumindest bei Seven Eleven und Family Mart Gemüsesticks mit Misodip. Den Misodip isst der Lütte fast lieber als das Gemüse.. Wer mag es ihm verdenken..
Oft gibt es in Konbini auch Wraps, die geeignet für Kinder sind, nur bei Hähnchen muss man aufpassen, dass man keine scharfe Soße erwischt (dann taucht dieses Kanji auf: 辛 oder ピリ).
In Konbinis gibt es außerdem Bananen, Äpfel (oft sogar geschnitten und geschält), Tomaten, Weintrauben und Surimi (zumindest mein Kind liebt Surimi!!).
Äpfel, Weintrauben oder Tomaten sollten aber unbedingt vorher gewaschen werden.

Im Supermarkt und Drugstore

Das oben genannte Fertigessen bekommt man meist im Drugstore oder im Supermarkt, eher im Drugstore. Eine sehr bekannte und in Tokyo viel verbreitete Kette ist Matsumotokiyoshi (マツモトキヨシ), zu erkennen am gelb/schwarzen Schild. Drugstores benutzen dieses Kanji als Erkennungsmerkmal: 薬.

Supermärkte sind in der Innenstadt nicht ganz so leicht zu finden. In Wohnvierteln befinden sie sich meist direkt am Bahnhof. Hier ist die Auswahl an Kinderprodukten allerdings kleiner als in großen Drugstores. Hat man das Glück in einer Gegend zu landen, die mehr auf Familien ausgelegt ist, findet man außerdem eventuell einen Nishimatsuya (西松屋) oder Akachan Hompo (アカチャンホンポ – 赤ちゃん本舗), beides große Ketten spezialisiert auf Kinderprodukte.
Ein anderes Geschäft, das es oft an Bahnhöfen gibt und das eine größere Kinderabteilung hat, ist Seiyu.

Die Einstellung von Japanern zum Stillen in der Öffentlichkeit und zum Mitbringen von eigenem Essen

Stillen in der Öffentlichkeit ist in Japan nicht gang und gäbe. Wenn öffentlich gestillt wird, dann so dass man “nichts sieht”, also ein Kleidungsstück oder ein Tuch die Brust verdeckt.

Das Mitbringen von eigenem Essen ist in japanischen Restaurants nicht unbedingt gerne gesehen. Eine Ausnahme ist Essen für ganz kleine Kinder, die tatsächlich noch Brei essen.
Bei größeren Kindern gilt: Kindermenüs bestellen oder sie vom eigenen Teller mitessen lassen.

Kids Café

Ein neuer Trend in Japan sind sogenannte Kids Cafés, die Müttern (und Vätern) die Möglichkeit geben sollen bei einer Tasse Kaffee zu entspannen. Denn mal ganz ehrlich, wer kann schon in Ruhe mit seinem Kind in einem normalen Café sitzen?
Deshalb verfügen Kids Cafés über Spielecken, in denen die Kinder sich beschäftigen können während Mama genüsslich mit Freundinnen einen Kaffee schlürft.
Hier ist es oftmals tatsächlich verboten eigene Speisen mitzubringen. Dafür verfügen sie aber eigentlich auch alle über fast altersgerechte Speisen.
Ein paar, die ich besucht habe, findet ihr hier.

 

 

 

5 thoughts on “Beikost in Japan

  1. Ich find das ja interessant, auch ohne Kind. Ich hab mir nie den Kopf zerbrochen. In Erinnerung habe ich noch, dass der Zoo in Tokyo (das Cafe in der Mitte) auch Kindergerichte anbietet. Chicken Nuggets und so.
    Ansonsten verstehe ich immer noch nicht, warum alles in Plastik eingewickelt ist. Auch auf den Bildern, einzelne Äpfel. Ich hab auch damals immer Tonnenweise von Tüten bekommen, obwohl ich nein Danke gesagt habe. Da müssen die wirklich mal dran arbeiten 🙂

    1. An Kinder-Hot-Spots gibt es solche Gerichte. Aber dann halt, genau wie für Erwachsene auch, eher fett-triefendes Fastfood. Nun ja, die Kids beschweren sich meist nicht 😉

      Japan bewegt sich. Langsam. Gaaanz laaaangsam.
      Ist hier noch ein weiter Weg und macht mich auch ein bisschen wütend, dass das Thema fast gar nicht aufkommt.
      Angeblich soll es der Jugend aber mehr bewusst sein. Zu der habe ich aber leider keinen Kontakt und kann es nicht bestätigen.

  2. Ich habe tatsächlich für 2 Wochen Gläschen mitgeschleppt. Das fand ich jetzt nicht weiter wild. Die habe ich entweder morgens in der Mikrowelle aufgewärmt und dann in einem Thermobecher mitgenommen, oder einfach kalt ‘serviert ‘. Milchpulver habe ich auch mitgenommen.

    1. Das gute daran ist ja, dass die Gläschen verschwinden und man auf dem Rückweg dann Platz für Mitbringsel hat 😉
      Stimmt! Auf Milchpulver hätte ich noch eingehen sollen!

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